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Paddeltour Äthäri - Virrat - Tampere, 200km

mit dem Faltkanadier (Ally) in Finnland, August 2011

Flug FR 3606 brachte uns in 2 Std. samt Faltkanu+Gepäck von Bremen nach Tampere. Von dort fuhren wir mit dem Busshuttle (6€) zum Hbf., der Busfahrer nahm unser vieles Gepäck lachend entgegen und fragte mich ob wir eine Faltsauna dabei hätten :-). Am Hbf. angekommen schickte uns die nette Frau der Tourizentrale zum 1km entfernten Bus-Bhf., die Strecke legten wir mit 80kg Gesamtgepäck zu Fuß zurück, oje ;-) Dort angekommen kauften wir uns für 25€/Person ein Ticket nach Äthäri das ca.150km nördlich liegt. 30Min. später kam schon der Überland-/Postbus aus Helsinki. Der Bus startete... und wo lag wohl die erste Haltestelle...?, natürlich am Hbf., großartig ;-) wir nahmen es mit Humor. Nach einigen Zwischentopps waren wir in 2,5 Std. in Äthari. Der Zeitablauf war also ideal. Start in BRE 6h30 Ankunft in Äthäri ca. 14h30. Die Busstation in Äthäri liegt zentral neben einem Supermarkt, an der Shelltankstelle gab es Gaspatronen und beim Dönerladen... "Monsterdöner", die richtige Stärkung vor dem Start :-)
Nach dem Einkauf und unserer Dönerstärkung die bis zum Frühstück vorhalten sollte ;-) warteten wir noch einen kurzen Schauer ab um das Boot etwa 300m vom Bus-Bhf. direkt an der Einsetzstelle aufzubauen. Dienstags um
17 Uhr ging es dann los zurück ins 200 Seen-und Flusskilometer entfernte Tampere.
Zeitplan: 5 geplante Paddeltage + 1 Reservetag
Den gesamten Streckenabschnitt habe ich mir auf ca. 25 Detailseiten über google.maps ausgedruckt. Ich sparte mir teures Kartenmaterial... kann das nur empfehlen! Fast alle Inseln sind verzeichnet und verhalfen uns eigentlich  fast fehlerfrei zu navigieren. Von Virrat aus besteht eine kleine Dampfschiffverbindung nach Tampere. Die Route ist durch Schifffahrtszeichen markiert.

Größere Kartenansicht 
Nach den ersten Paddelschlägen überraschte uns ein heftiges Gewitter, wir suchten an einem Ferienhaus mit Bootssteg Schutz. Nach 2 Regen-Paddelstunden fanden wir am Ufer einen geeigneten Übernachtungsplatz.
Der 2te Paddeltag begann zumindest trocken und die Sonne ließ sich auch schon mal blicken. Nach einer ersten schönen Flussetappe und einer schwierigen Umtragestelle (an der es dann doch noch für 30 Min. aus Eimern auf uns regnete) gönnten wir uns erst mal eine Pause an einem der seltenen Biwakplätze. Nach dem ersehnten Tee wurde es nun zunehmend heller und das laut Wetterbericht sonnige Wetter rückte erwartungsvoll näher. Trotz allem waren die ersten Paddelstunden durch die Flusslandschaft wunderschön. Wir genossen die Ruhe und Einsamkeit.
Kurz vor Virrat die 1te von 2 Schleusen an der Strecke.
Unser 2ter Übernachtungsplatz direkt am Wasser
lag ganz idyllisch etwas erhöht. Links ist der Liniendampfer zu erkennen, dem wir fortan täglich einmal begegneten.  
Nach der 2ten Übernachtung lockerte sich morgens langsam die Wolkendecke und von nun an war es trocken und wurde zunehmend sonniger. Kleine Seen wechselten sich mit größeren ab. Das navigieren wurde durch die vielen Inseln etwas schwieriger, bereitete aber auch viel Spaß. In der 3ten Nacht schlugen wir unser Zelt unmittelbar unter einer kaum befahrenen Straßenbrücke auf. Etwas erhöht stehend genossen wir eine schöne Aussicht.   
Nun war es da, das versprochene Zauberwetter :-) Die Stille und Ruhe auf den Seen war einmalig. Wir paddelten Stunden über Stunden in völliger Einsamkeit. So gut wie kein Bootsverkehr, keine weiteren Paddler. Vereinzelt mal ein Hammerschlag an einem Holzhaus oder einer Seesauna. Hat das Spaß gemacht!!! Ich genoss es in vollen Zügen. Zeitweise waren wir 1-2km vom Ufer entfernt, spiegelglattes Wasser, der Paddelwahnsinn! Auf kleinen Insel erholten wir uns bei einer Tasse Tee... :-)
 
 
Einkaufsstopp beim einzigen C-Platz, der ein paar Paddelschläge abseits der Route bei Ruovesi liegt. Bisher gab es keine direkte Möglichkeit sich unterwegs zu versorgen! Der C-Platz ist hübsch angelegt auf einer Insel die über einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Der kleine ansässige Einkaufsladen bietet nur eine bescheidene Auswahl. Frisches Gemüse oder Obst nicht vorhanden! Wir übernachteten nicht dort und paddelten weiter.
Da kam... eine Abwechslung die uns ein paar Wellen schenkte ;-) Der historische Liniendampfer aus Tampere in Richtung Virrat. Die wenigen Gäste winkten uns kräftig entgegen.      
Auf der Suche nach dem 4ten Übernachtungsplatz landeten wir an einem einsturzgefährdeten Anleger. Im Wald schlugen wir das Zelt auf und machten ein kleines Lagerfeuer.
Am kommenden Morgen weckte uns das weiterhin sehr schöne sommerliche und warme Paddelwetter. Immer wieder legten wir auf den kleinen Insel eine Teepause ein.
Kleine Insel zum Seele baumeln lassen... :-)
Das näher kommende Tampere machte sich durch die deutlich breiter werdende Seenlandschaft bemerkbar...
 
Die 5te Nacht verbrachten wir auf einer sehr schönen Insel mitten auf einem gewaltig großen See etwa 40km vor Tampere. Es war eine unglaublich tolle Stimmung. Großartiges Licht, es war warm, wir fühlten uns sehr wohl und waren glücklich das erleben zu dürfen!
Die einzigen Bewohner der Insel waren 8 Vögel, die beschwerten sich aber nicht das wir ihr Revier belagerten.
     
Am morgen nahmen wir Abschied von unsere Insel mit Ziel Tampere. Der Wind frischte im Tagesverlauf auf, 3-4 Beaufort in Böen Stärke 5. Nun zogen wir erstmals unsere Schwimmwesten an, der See zog sich teilweise weit über 10km in die Breite. Wind und Wellen zerrten an den Kräften, damit bin ich als Nordseebewohner aber bestens vertraut und war zuversichtlich das wir unsere Ziel erreichen. Reise -und Paddelpartner Heiko fragte mich: "Wie lange das Boot wohl die Bewegungen mit macht, ob er der Konstruktion vertrauen kann?"... so ein Aluminiumgerüst sei stabil, Tragflächen von Flugzeugen kannst du 8m nach oben biegen bevor sie brechen, das beruhigte ihn nur bedingt... nur dies sei keine Tragfläche ;-)  "Die Konstruktion verleiht dem Boot eine ausgezeichnete Spannung und Steifigkeit" heißt es in so mancher Werbung... Ja... ja, es hielt ;-) In der Praxis war es so, dass der Ally unter den dortigen Bedingungen ganz schön arbeitet, soweit aber alles im grünen Bereich! Im nächsten Sommer wird es woanders auf eine längere Wellenjagt-Tour gehen.
Bevor wir Tampere erreichten legten wir noch eine Pause zur Stärkung ein. Die Wetterbedingungen verschlechterten sich sichtlich. Die Paddelherausforderung nahm noch zu, da der Wind nun konstant und kräftig bließ. Wir planten im Hafen von Tampere auszusetzen, das klappte am dortigen Sportbootanleger bestens.
  Angekommen im Hafen (Sonntags 16h30) packten wir alles zusammen und zerrten 60kg Gepäck auf den Kanuwagen. Den 2ten 20kg Kanusack trug Heiko zum Hotel und ich quälte mich mit Bordsteinkanten herum ;-) Ein Paddel klebte ich mit Tape fest um somit eine Deichsel zu haben um das 5km entfernte Hotel zu erreichen, das wir schnell im Hafen über Iphone buchten. Zum 2ten Hotel nahmen wir uns morgens dann ein Taxi, denn noch mal hatte ich keine Lust mehr eine Strecke von 5 km mit dem Kanuwagen durch die Stadt zu laufen. Wir erreichten Tampere einen Tag eher als geplant und mussten noch für eine Nacht eine Unterkunft (80EUR) buchen, bekamen zum Glück noch ein Doppelzimmer im Hotel.
Foto unten: Da schaffte einer die Strecke wohl nicht ;-)
 
I
Infos/Fazit: Wir paddelten ca. 200km, im Idealfall wäre diese Strecke ca. 175km lang. Da aber Abstecher zum Proviant kaufen, zusätzliche Inselumrundungen bzw. auch schlichtweg Navigationsfehler eingeplant werden sollten, sind die 200km realitisch. Außerdem sind wir teilweise vor allem am Schlusstag aus Sichereitsgründen nahe am Ufer gepaddelt. Auf der Gesamtstrecke begegnete uns kein einziger weiterer Paddler, wir waren allein unterwegs und das in der Hochsaison! Am WE tauchten einige wenige private Motor -und Segelboote auf, vermehrt kurz vor Tampere, aber kein Vergleich mit mitteuropäischen Verhältnissen.
Was mir nach meiner 3ten großen Paddelreise innerhalb Finnlands auffiel, ist die Tatsache, dass anscheinend gefühlt jede finnische Familie ein Wochenendhaus und Saunahäuschen mit Seezugang besitzt. Das erschwert sehr die Suche nach einer geeigneten Übernachtungsstelle, da an eigentlich alle in Frage kommenden Flächen ein WE-Haus steht, also Privatflächen die nicht betreten werden dürfen! In Nationalparks gibt es ausgewiesene Biwakplätze die Übernachtungen ermöglichen, außerhalb der Parks annähernd keine. Trotzdem würde ich alle Paddelreisen wiederholen, nur immer wieder viele Paddelkilometer für die Stellplatzsuche einplanen. 
 
Sollten weitere Fragen zur Tour/Ablauf bestehen, bitte eine Mail schreiben.