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Kanu-Tour: Río Jerte, Río Alagón, Río Tajo/Tejo
Spanien/Portugal im August/September 2014

Die geplante Streckenlänge von 350 km schafften wir aufgrund unvorhersehbarer Wetterbedingungen (Unwetter)und Schwierigkeiten bei einer Portage an einer Staumauer nicht.
Die 3te Paddeltour (220km) auf der iberischen Halbinsel war sehr anstrengend, aber auch ein Highlight
meines Paddlerlebens. Die landschaftliche Szenerie und Nähe zu vielen Wildtieren war schlichtweg großartig.
Auf den ersten 125km begegnete uns kein einziges Boot. Wir paddelten durch totale Einsamkeit und
eine fantastische Fels -und Flusslandschaft.
Befahrungsregeln o. Gewähr:
Der Rio Alagon und die Naturparks im weiteren Verlauf, dürfen erst nach dem 30.Juni/Juli befahren werden!  

Karte/Seite im August 2017 aktualisiert!


"Unter Geiern" am Rio Alagon, Rio Tejo.  
   
 
 Die Anreise: Morgens um 9h15 landeten wir in Alicante. Von dort fuhren wir mit dem Leihwagen ins 650km entfernte Plasencia.
Als wir aus dem klimatisierten Auto stiegen traf uns fast der Hitzeschlag, 39°C. Wir suchten eine geeignete Einsetzstelle, die fanden wir in "Galisteo" am Rio Jerte. Unterhalb der alten Brücke befindet sich ein Biwakplatz mit Bierbude, der perfekte Übernachtungsplatz ;-) Der Wirt verwickelte uns gleich in ein Gespräch und das Willkommensbier schmeckte besonders gut! Morgens brachte Heiko den Leihwagen zum Autohändler und fuhr die 20km mit dem Taxi zurück. In der Zwischenzeit baute ich den "Ally" auf und belud das Kanu.

Einsetzstelle: Ein Biwakplatz bei "Galisteo". Der Platz liegt perfekt unterhalb einer alten Brücke am Río Jerte.
Die erste Nacht schliefen wir im Berlingo.

An der Einsetzstelle genossen wir eine ordentliche Strömung und noch etwas Schatten durch den Uferbewuchs.
Die Tagestemperaturen hielten sich bis zum Unwetter in Portugal bei 35°-39°! Jaaa... es war heiß!

 
Mit mäßiger Strömung paddelten wir vom Rio Jerte in den Rio Alagon. Zu Beginn im Rio Jerte
war der Fluss stellenweise sehr eng, aber stets tief genug zum Paddeln.

 

Auf dem  Río Alagón gab es 2 Stellen an denen es doch recht wild zu ging
(sehr genau ansehen, nicht ungefährlich), alle anderen Passagen waren Zahmwasser bis WW 1-2.


Bevor wir unser 2tes Nachtlager (1tes am R.Alagon) erreichten noch eine Wildwasserpassage.
Auf der ersten Paddeletappe, 43km, keine Mensch, Natur pur :-), Tagestemperatur 37°C.  
 

 Unser Nachtlager etwa 5m oberhalb der Wasserlinie. Ein wunderschöner Platz,
über uns kreisten sehr nah die ersten Geier. Die erwarteten wohl unseren Hitzetod ;-) 


Die großartige Paddellandschaft teilten wir nur mit selten anzutreffenden Vögeln, woh!
 

Schwarzstörche und Geier, so nah war ich diesen großartigen Tieren noch nie, sensationelles Erlebnis!
Beim Start aus einer Felswand überflog uns ein Gänsegeier in nur 5m Höhe.
Die Spannweite dieser Vögel ist gewaltig und beeindruckend. Toll hören sich auch die
An -und Abfluggeräusche dieser Tiere an.
 

Die Geierkolonie hat eine beachtliche Größe, nach einigen Paddelkilometern zählten wir an die 50 Tiere am Himmel.
Es war mir nicht immer möglich perfekt scharfe Fotos zu machen,
dazu kam, dass ich teilweise im wackeligen Kanu stand vor Begeisterung.

 

Okay, ich paddel erst mal ein Stück weiter.

Der war so überrascht das ich plötzlich vor ihm stand, dass er anfing zu schielen ;-)


Der 2te Paddeltag wurde zur Herausforderung. Die Temperaturen stiegen auf 39°C, die Luft stand still.
Boah... das hatte ich auch in den vergangen Jahren beim Paddeln auf der iberischen Halbinsel noch nicht erlebt.


Unser Tagesziel die erste große Staumauer bei Alcantara erreichten wir abends
völlig abgekämpft und fertig von der Hitze. (Der wohl härteste Paddeltag meines Lebens :-/ )
Unten: Der Zusammenfluss vom Rio Alagon und Rio Tajo vor der Staumauer in Alcantara.

Aussetzen: Links vor der Mauer in eine Flussmündung einpaddeln. Von hier aus geht es bergauf nach
Alcantara 1,5-2km, bei 39°C mit 25kg Gepäck auf dem Rücken und dem Bootswagen in der Hand!
Als wir oben im Ort ankamen war uns überhaupt nicht mehr danach ein Nachtlager in der Wildnis zu suchen.
Wir waren fix und fertig. Rechts vom Ort entdeckten wir ein Klosterhotel, großartig :-) kühle Räume!
Wir übernachteten dort und das freundliche Personal parkte unser Kanu im Foyer :-) Total nett!!! 

Einsetzen: Nach einer kühlen Nacht im Klosterhotel machten wir uns auf zur Einsetzstelle unterhalb der
alten Römerbrücke, etwa 1,5km von Alcantara entfernt am Tajo.

Die Einsetzstelle erreichten wir über einen steilen Weg, der ca. 200m vor der Brücke an der Straße beginnt.
Die eigentliche Einsetzstelle, unten rechts halten, war schwierig zu erreichen. Kurz vor dem Abstieg platze durch
die Hitze ein Reifen am Kanuwagen, wir hatten ein Ersatzrad mit, puh!

Ergänzung zur Einsetzstelle bei Alcantara (Infos von 02/2017): Mittlerweile schrieben mir 2 Kanuten,
das sie jeweils im Frühsommer 2016 durch Parkranger darauf aufmerksam gemacht wurden, das eine Weiterfahrt mit dem Kanu durch den Naturpark nicht erlaubt sei. Ich kann nicht mit Sicherheit schreiben, das sich die Infos nur auf den Frühsommer (Vogelbrut, Schwarzstörche etc.) beziehen. Mir liegen dazu leider keine konkreten Infos vor. Ich vermute, das eine Befahrung wie am Rio Alagon, erst ab dem 1.Juli erlaubt ist.  Anfang September 2014 sah ich dort keinen Menschen. 40km nach dem Damm sahen wir abends sogar ein kleines Motorboot auf dem Fluss fahren. Ein eMail-Freund, der die Tour im September 2015 paddelte, bekam auch keine Probleme. Wer das vor dem Start einer Tour abklären möchte, wendet sich am besten direkt an:
Oficina de Turismo de Alcántara
Av. Mérida, 21, 10980 Alcántara, Cáceres, Spanien  Fon: +34 927 39 08 63
www.alcantara.es       ofiturismo@alcantara.es 

Nach dem Einsetzen genossen wir eine kräftige Strömung und kühleres Wasser, prima. Das sehr warme
Oberflächenwasser blieb im Stausee, somit etwas Abkühlung.
Auf dem menschenleeren Tajo ging es durch den gleichnamigen Nationalpark weiter, fantastisch!

Durch den "Park Natural do Tejo Internacional"
.
In dieser einsamen Flusslandschaft sahen wir extrem viel Wild (an die 100 Tiere!) direkt am Ufer und in den Bergen.
Die hohen Temperaturen trieben die Tiere zum Trinken ans Wasser, großartiges Szenario.

Wir paddelten teilweise unmittelbar am Ufer, so konnten wir einige Tiere beim Trinken überraschen und
kamen ihnen dadurch sehr nah.

Nach dem das Brüllen der Hirsche vorerst hinter uns lag, besuchten uns wieder meine Lieblingsvögel :-)

Die 2te große Geier-Kolonie entlang der Tour, die Tiere faszinierten mich immer wieder.

Ein Geier kam uns sehr nahe, wohl eine Warnung uns der Kolonie nicht weiter zu nähern.

Soo...nun ist es auch gut mit der Geierei ;-) 

Bevor wir unser 4tes Nachtlager auf einer Halbinsel erreichten, frischte erstmals die Thermik auf.

Abends kamen wir von der Hitze erschöpft am Nachtlager an.

Am kommenden Tag paddelten wir auf die nächste Staumauer bei Barco del Tajo zu.
Übergang nach Portugal, nun lagen 121km hinter uns.
Kurz vor der Staumauer trafen wir auf das erste Boot überhaupt.
Aussetzen an der 2ten Staumauer: Links unter einer Brücke hindurch bis zum Anleger paddeln.
Oben an der Staumauer vorbei und über eine Schotter-/Betonpiste unterhalb einsetzen. Relativ einfach,
abgesehen von den Verbotsschildern die in Portugal überall an den Staumauern stehen. Es sah ja keiner ;-)

Auf dem Weg nach Rodao. Im Ort gönnten wir uns eine Pause um einzukaufen.
Hier besteht die erste Möglichkeit sich in die Bahn nach Lissabon zu setzen, km 163.
 
Nach Rodao führte uns der Rio Tejo durch den "Monumento Natural das Portas de Rodao, sehr hübsch.

Nachtrag 08/2017. Ich habe im Internet ein Foto von 1964 entdeckt,
schöne wilde Flusslandschaft! 

Quelle für das Foto:  https://ssl.panoramio.com/photo/12922767
https://ssl.panoramio.com/photo/12922775

Was für eine Veränderung!

Unser 5tes Nachtlager etwa 10km hinter Rodao in einem Olivenhain unterhalb der wenig befahrenen Bahnstrecke  

Parallel zum Fluss verläuft die wenig befahrene Bahnstrecke durch eine wunderschöne einsame Landschaft.
Wer nicht weiter paddeln möchte hat die Möglichkeit an kleinen Bahnstationen in die Bahn zu steigen.
Diese Bahntrecke sollten wir noch näher kennen lernen :-/   

Die 3te Staumauer bei Fratel liegt mitten in der Wildnis. Bei Ankunft sahen wir links eine prima Aussetzstelle.
 Danach sah ich mir von der Staumauer aus eine mögliche Einsetzstelle an. Auf der rechten Seite durch die Bahntrasse ist ein Einsetzen unmöglich und links sah ich nur die Betonpiste, zu erreichen über die
Hauptstraße hoch in die Berge und wieder runter, ca. 2.5km... na gut... bei 37°C, oje...


Diese Staumauer bei Fratel bedeutete völlig unerwartet, dass vorerst, vorübergehende Ende unserer Tour :-( Warum...?
Als wir die Betonpiste nach ca. 1 Std. ziemlich erledigt erreichten, sahen wir die Absperrung der Straße. Es blieb uns nur die Möglichkeit völlig waghalsig über die Felsen zum Fluss abzusteigen. Wir erkundeten
die Gegebenheiten zum Fluss runter. Als wir am Wasser ankamen, pfiff uns sehr deutlich, dass Staudammpersonal zurück und untersagte uns aus Sicherheitsgründen das Einsetzen,
shit, was nun :-( 
 

 Etwas frustriert suchten wir nun nach einer geeigneten Einsetzstelle :-/
Damit begann unsere Odyssee :-( in der Nähe des Dammes war es nicht möglich ans Wasser zu kommen! Es ging überall nur steil über Geröll abwärts, mit Kanu und 80kg Gepäck war das nicht zu schaffen.
Nun machten wir uns auf, die Staumauer weitläufig zu umgehen, was für ein Wahnsinn! Nach einigen Kilometern endete die kleine Teerstraße in einer Schotterpiste und die hätten wir 10km zur nächsten Einsetzstelle laufen müssen... no! Wir setzen uns nach insgesamt 10km Fußmarsch in den Schatten
und kamen zu dem Schluss zurück bis Rodao zu paddeln, 20km. Mittlerweile waren 5 Stunden vergangen und wir klinisch halb tot. Als wir wieder am Tejo ankamen hatte ich die härteste "Portage" meines Lebens hinter mir. Mückenverseuchte Schlammschlachten in Lappland waren eine Erholung dagegen. Bei fast 40°C
30kg Gepäck auf dem Rücken (bergauf) zu tragen und das Boot in der Hand hinterher zu ziehen, der Irrsinn.
TIPP: Die Staumauer in Fratel mit der Bahn umfahren. Ein paar Kilometer vor der Mauer befindet sich der kleine Bahnhof "Fratel", gut vom Wasser aus zu erkennen. Unterhalb befindet sich ein kleiner Anleger zum Aussetzen. Eine Bahnstation bis "Barca de Amieira Envendos" fahren, hier kann das Kanu problemlos wieder am alten Fähranleger eingesetzt werden. (Fahrplan vorher zu Hause ausdrucken, Bahn fährt nicht so oft)
Wir paddelten 10km bis zu unserem 5ten Nachtlager zurück, das somit auch unser 6tes wurde.
Am darauf folgenden Tag weitere 10km bis Rodao. Dort angekommen genossen wir ein kühles Bier,
packten alles zusammen und schleppten alles 1km bergauf zum Bahnhof.
Von hier aus fuhren wir bis zur 4ten Staumauer nach "Barragem de Belver", um die Portage an der 4ten Staumauer zu begutachten. Hier befindet sich in unmittelbarer Nähe, hinter dem Bahnhof, ein Campingplatz. Prima, es gab etwas leckeres zu Essen und abends wieder ein kühles Bier ;-) und das als Weintrinker :-)

Die Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz in Barragem de Belver.
Abends überlegten wir uns am kommenden Tag mit der Bahn zurück bis "Barca de Amieira Envendos"
zu fahren um dort einzusetzen, denn der Streckenabschnitt wirkte sehr schön aus der Bahn.

Mal wieder 20km rückwärts, aber diesmal mit der Bahn.
Die Einsetzstelle am alten Fähranleger war gut zu erreichen. Sorge bereitete uns der Blick nach oben,
es zog sich zu und die Luft kühlte sich deutlich ab, "nur" noch 25°C.

Sehr schön entlang der Uferzone, der "Caminho do Tejo"

Der Himmel verdunkelte sich zunehmend und ein Unwetter nahte, na großartig!
Wir paddelten unter einen Grüngürtel am Ufer, aber nach 20 Min sahen das Boot und wir aus wie nach einer
Kenterung :-( .
Vollkommen durchnässt erreichten wir nach einigen Stunden die 4te Staumauer bei "Barragem de Belver".
Zurück am Campingplatz.

Oben: Die 4te Staumauer bei  "Barragem de Belver".
Aus -und Einsetzen: Vor der Mauer rechts in eine Flussmündung einpaddeln, nach 200m befindet sich links
ein Anleger und eine Badestelle, dahinter der Campingplatz. Die Einsetzstelle befindet sich auf der anderen Bahnseite, am Ende der Straße nach rechts gehen, danach über eine Sandpiste zum Tejo.
 

Als wir abends total durchnässt am Campingplatz eintrafen lagen 220km hinter uns.
Wir trockneten unser Equipment und schliefen im Aufenthaltsraum, da es nicht aufhörte zu regnen.
Durch das Desaster an der 3ten Staumauer und das Unwetter verloren wir 2.5 Paddeltage. Es blieb uns noch ein Paddeltag übrig, aber wir entschlossen uns zu einer vorzeitigen Rückreise mit der Bahn nach Porto.

FAZIT dieser Paddeltour:

Trotz der hohen Temperaturen, dem Unwetter und Schwierigkeiten an der 3ten Staumauer, eine großartige Tour! Die wohl abenteuerlichste und spannendste Tour für mich auf der iberischen Halbinsel bisher. Die Nähe zu den vielen Tieren war ein besonderes Erlebnis und die Einsamkeit und Ruhe der Region außerordentlich. Die geplante Strecke von 350km wäre ohne die vorher genannten Schwierigkeiten machbar gewesen, da wir auch bei 37-39°C  Strecken von über 40km gepaddelt sind. Eigentlich WAHNSINN, aber so lange ich mich mental und körperlich fit fühle werde ich das immer wieder machen.

Die Strecke von der Bahn aus bis Entroncamento. Es gibt eine kurze Stelle mit wenig Wasser,
aber die gesamte Strecke ist problemlos paddelbar. Unten rechts die letzte und kleinste Staumauer auf dem Weg nach Lissabon. Ein -und Aussetzen wäre problemlos möglich gewesen.
Die Landschaft verflachte zunehmend, war aber nach wie vor reizvoll.

Von Entroncamento aus brachte uns der IC mit hoher Geschwindigkeit in 2.5Std. nach Porto.
Das viele Gepäck stellte in den Nahverkehrszügen kein Problem da, aber im IC musste ich den ALLY
auf den Sitzen unterbringen. Der Schaffner war nicht begeistert.

PORTO: Vom Bahnhof Campanha aus fuhren wir mit der Metro zum Hotel am Airport

PORTO: Die letzten 1.5 Tage genossen wir diese wunderschöne Stadt noch!

Diese Kanutour war zweifellos ein Höhepunkt meines Paddlerlebens!
Die nächste etwas kürzere Tour auf dem Rio Guadiana ist für Okt./Nov.2014 ist geplant.


Im August 2015 streben wir eine weitere Tour auf der iberischen Halbinsel an.
...es wurde der Rio Guadiana, die Paddelei wurde noch etwas abenteuerlicher.